Kategorie-Archiv: Gastbeiträge

Hochwertige Gastbeiträge im Pflugmacher-finanzblog.
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Gesetz zur Flexibilisierung des Übergangs vom Erwerbsleben in den Ruhestand

„Gesetz zur Flexibilisierung des Übergangs vom Erwerbsleben in den Ruhestand und zur Stärkung von Prävention und Rehabilitation im Erwerbsleben – Flexirentengesetz“

Vor wenigen Tagen, am 21. Oktober 2016, hat der Bundestag das sogenannte Flexirentengesetz beschlossen.
Mit dem Flexirentengesetz verfolgt die Koalition einerseits das Ziel, das flexible
Arbeiten bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze bei besserer Gesundheit zu erleichtern und zu fördern und andererseits das Weiterarbeiten über die Regelaltersgrenze hinaus attraktiver zu
machen.

Zunächst sei die Frage gestattet ob die beschlossenen Regelungen im Flexirentengesetz überhaupt relevant sind.
Von 888.521 neuen Rentnern in 2015 haben 204.351 eine vorgezogene Altersrente mit Abschlägen in Anspruch genommen und 272.861 Versicherte eine vorgezogene Altersrente ohne Abschläge (Altersrente für besonders langjährig Versicherte). Damit ist eine wesentliche Zielstellung, die flexiblere Gestaltung der Arbeit (Hinzuverdienst) bis zur Regelaltersgrenze, für 53,7 % der Neurentner in 2015 potentiell interessant.

Neben den veränderten Regelungen zum Hinzuverdienst sind auch solche zur Beschäftigung über die Regelaltersgrenze hinaus getroffen worden und solche zu Sonderzahlungen zum Ausgleich von Abschlägen bei vorzeitiger Inanspruchnahme von Altersrenten.
Zudem wird die Rentenauskunft zukünftig umfassender über flexible Übergänge informieren und es wurden Änderungen bei REHA-Leistungen eingeführt.

Dr. Ronald Musil  – Rentenberater –

10178 Berlin, www.rentenberater-musil.de

„Mitteilung zur Vorlage beim Finanzamt – Leistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung“

Sie sind Rentner und haben diese Mitteilung, die ab 2009 verschickt wird, bekommen aber aus Vertrauen auf Richtigkeit diese behördliche Mitteilung nie geprüft? Diese Annahme mag in vielen Fällen durchaus richtig gewesen sein allerdings sind Fehler auch nicht ganz selten.
Mit dem Rentenbeginn ab dem Jahr 2005 gab es eine wesentliche Änderung hin zur nachgelagerten Besteuerung. Anstelle des früheren, vom Renteneintrittsalter abhängigen Ertragsanteils wurden für Renten, die spätestens in 12/2005 begannen, 50% der Bruttorente als steuerpflichtiges Einkommen angesetzt. Dieser Anteil wurde und wird jährlich erhöht und beträgt in 2016 beispielsweise bereits 72% und ab dem Rentenbeginn 2040 ist die Rente grundsätzlich voll zu versteuern. Im Übrigen verändern regelmäßige (jährliche) Rentenanpassungen den steuerfreuen Anteil nicht und sind somit zu 100% steuerpflichtig. Lediglich ergänzend sei erwähnt, dass quasi im Gegenzug die Abzugsfähigkeit von Vorsorgebeträgen zur Altersvorsorge als Sonderausgabe steigt! Haben Sie bereits einmal daran gedacht, Ihre Vorsorgebeträge entsprechend anzupassen?

Nun verändern sich die Zahlbeträge der Renten praktisch jedes Jahr. Zunächst können sich die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung verändern. Zudem werden zum 01. Juli jeden Jahres die Rentenwerte (und damit die Rentenhöhe) überprüft und ggf. angepasst und falls möglich erhöht. Damit verändert sich der steuerfreie Anteil am Gesamtbetrag. Durch das Hinzutreten der Mütterrente ab 01.07.2014 musste der steuerfreie Anteil der Rente ebenso neu ermittelt werden. In 2015 ergab sich nochmals die Notwendigkeit einer Änderung, weil erstmalig für ein volles Kalenderjahr die Mütterrente bezogen wurde.

Es ist wohl sehr leicht nachzuvollziehen, dass bei einer derartigen Komplexität durchaus nicht wenige Fehler entstehen können. Und diese Fehler können erfahrungsgemäß sowohl beim Finanzamt als auch bereits bei der DRV entstehen.
Jeder Rentner sollte gemeinsam mit seinem Steuerberater nicht nur den Einkommensbescheid prüfen sondern insbesondere auch die zuvor erwähnte Mitteilung der DRV. Niemals sollten diese Daten ungeprüft in die Einkommenssteuererklärung (Anlage R) übernommen werden.

Dr. Ronald Musil

– Rentenberater -, www.rentenberater-musil.de

Ich habe ein Anrecht auf eine große Witwenrente, erhalte aber nichts ausgezahlt. Ist das richtig?

Diese Frage wird mir nicht nur fast täglich gestellt sondern ist fachlich relativ schnell beantwortet, gleichwohl schwierig genau denjenigen zu erklären, die mit einer entsprechenden Rente kalkuliert haben.

Zunächst unterscheidet der Gesetzgeber u.a. zwischen großer und kleiner Witwenrente (folgendes gilt auch gleich immer für die Witwerrente!).

Die kleine Witwenrente wird dann gezahlt, wenn der Hinterbliebene das 47. Lebensjahr noch nicht vollendet hat, nicht erwerbsgemindert ist und kein Kind erzieht. Die Höhe der Rente beträgt 25% der Rente auf die der Verstorbene Anspruch gehabt hätte und ist auf 24 Monate beschränkt.

Die große Witwenrente kommt demzufolge dann zur Anwendung, wenn der Hinterbliebene das 47. Lebensjahr vollendet hat, erwerbsgemindert ist oder ein eigenes Kind bzw. eines des Verstorbenen erzieht. Die Höhe dieser Rente beträgt 55% der Rente auf die der Verstorbene Anspruch gehabt hätte.

Auf Sonderfälle will ich hier auf Grund der Komplexität nicht eingehen.

Dann kann ich meine Witwenrente ja ganz schnell selbst ausrechnen und schon einmal in meine zukünftige Finanzplanung einbeziehen. Aber so einfach ist es dann doch nicht.

  1. Ist der Verstorbene bereits Rentner gewesen, kann eine Vorschusszahlung beantragt werden, die dann in dreifacher Höhe der Rente des Verstorbenen gezahlt wird. Die Rente im Sterbemonat wird in voller Höhe gezahlt und

jetzt beginnt das mögliche Dilemma…

  1. Eigenes Einkommen wird auf die Witwenrente angerechnet. Was genau wird dann angerechnet? Dazu zählen neben Erwerbs- oder Erwerbsersatzeinkommen auch eigene Einkünfte aus Vermögen oder Betriebsrenten, private (Unfall-)Renten und das Elterngeld. Vergleichbare ausländische Einkommen werden ebenfalls berücksichtigt.

Was bedeutet das nun genau? Grundlage für die Anrechnung bildet zuallererst ein Freibetrag, der in den neuen und alten Bundesländern verschieden  ist, derzeit 714,12 € bzw. 771,14 € und damit nicht wirklich hoch. Vom verbleibenden Nettoeinkommen werden dann 40% auf die Witwenrente angerechnet.

Bei eigenem hohen Einkommen und niedriger Witwenrente kann also der oben beschriebene Fall eintreten, dass die Witwe gerade keine Auszahlung erhält.  Möglicherweise kann ja das eigene Einkommen beispielsweise durch eine verringerte Arbeitszeit (Teilzeit) so gesteuert werden, dass zumindest ein wesentlicher Teil der Witwenrente ausgezahlt wird und damit den Minderverdienst ausgleicht?! Das war zumindest bei dem Fall möglich, der den Anlass zu diesem Beitrag gab.

Dr. Ronald Musil  (Rentenberater )

Internet: www.rentenberater-musil.de

Rentenanpassung 2016: Unabhängige Prüfung ist wichtig.

Entgeltpunkte? Rentenwert? Was wird dann nun eigentlich genau erhöht und warum gibt es in diesem Jahr eine besonders hohe Erhöhung?
In jedem Jahr legt die Bundesregierung in der Regel in einer Verordnung die Höhe einer möglichen Rentenanpassung fest. Die praktische Umsetzung erfolgt dann zum 01. Juli des Jahres.
Angepasst wird der Rentenwert, mit dem die persönlichen Entgeltpunkte und/oder die Entgeltpunkte West multipliziert werden. Nach der Addition der beiden Summen erhält man dann die angepasste monatliche Rente. Eigentlich ganz einfach!
Zum 01. Juli dieses Jahres wird der Rentenwert West um 4,25 % angehoben und der Rentenwert Ost auf 5,95 %. Damit beträgt der Rentenwert West nunmehr 30,45 € und der Rentenwert Ost 28,66 €.
Wichtige Grundlage für die Festlegung der Höhe der Rentenanpassung ist die Entwicklung der Bruttolöhne in Deutschland. Darum also in diesem Jahr eine Erhöhung wie lange nicht.
Die bisher „erwirtschafteten“ Entgeltpunkte finden Sie in der Rentenauskunft, die Sie sich zu jeder Zeit telefonisch oder online bei der DRV anfordern können.
In der Praxis empfiehlt sich zudem eine Prüfung der Rentenauskunft auf sachliche und rechnerische Fehler z.B. durch einen Rentenberater.

Dr. Ronald Musil, Berlin

– Rentenberater –

Internet: www.rentenberater-musil.de

Wie ist mein sozialversicherungsrechtlicher Status als Gesellschafter Geschäftsführerin einer GmbH ?

Eine 32-jährige Versicherte, die mich auf Empfehlung Ihres Steuerberaters mit der Feststellung Ihres sozialversicherungsrechtlichen Status beauftragt hat:

Als Gesellschafter Geschäftsführerin einer GmbH möchte ich wissen, wie mein sozialversicherungsrechtlicher Status ist. Warum soll ich nun auch noch mein Versicherungskonto klären lassen? Das kostet doch nur zusätzlich Honorar….

Die Frage ob die jeweilige Tätigkeit seitens der Deutschen Rentenversicherung als selbständige Tätigkeit und eben gerade nicht als solche in einem abhängigen Beschäftigtenverhältnis eingestuft wird ist für die jeweilige Person von immenser Bedeutung.

Wird die Tätigkeit als eine in einem abhängigen Beschäftigtenverhältnis eingestuft, wird die Person in allen Zweigen Sozialversicherung versicherungspflichtig. Somit müssen Beiträge in die Rentenversicherung, der Arbeitslosenversicherung sowie der Kranken- und Pflegeversicherung gezahlt werden. Durch die Zahlung von Beiträgen erwirbt der nunmehr Versicherte auch entsprechende Anrechte, wie Alters-, Erwerbsminderung- oder Hinterbliebenenrenten, Arbeitslosengeld und Leistungen aus dem Krankensystem.

Sollte die Tätigkeit dagegen als selbständige Tätigkeit eingestuft werden, sind die vorgenannten Anrechte in der Regel bisher nicht oder nicht in einem ausreichenden Maße erworben worden. Eigene (zusätzliche) Vorsorge ist damit angesagt. Eine wichtige Basis der Alterssicherung bildet bei den meisten Personen auch in Zukunft die Leistungen der Deutschen Rentenversicherung. Damit aber die genaue Planung einer zusätzlich notwendigen Vorsorge erfolgen kann, sollte genau bekannt sein, in welcher Höhe entsprechende Anrechte bei der Deutschen Rentenversicherung erworben wurden. Dazu ist es nötig, den Versicherungsverlauf auf sachliche, vollständige und rechnerische Richtigkeit zu prüfen und falls erforderlich mit entsprechenden Nachweisen zu ergänzen. Im vorliegenden Fall waren sowohl Zeiten der Mutterschaft sowie der Kindererziehungszeiten und Berücksichtigungszeiten für Kindererziehung nicht vollständig erfasst. Zudem fehlte die Studienzeit.

Nach Vervollständigung des Versicherungsverlaufs und Feststellung des Status als abhängig Beschäftigte kann die weitere Vorsorgeplanung nun unter klaren Voraussetzungen erfolgen.

Mit freundlichem Gruß aus der Mitte von  Berlin

Dr. Ronald Musil, Rentenberater

Internet: www.rentenberater-musil.de

Anfrage an einen unabhängigen Rentenberater

Ein 56-jähriger Versicherter, der seit wenigen Monaten eine Erwerbsminderungsrente auf Dauer bezieht:

Ich bin zwar seit ca. 20 Jahren geschieden aber aus unserer Ehe sind zwei Kinder hervorgegangen. Habe mich auch sehr um die Erziehung unserer gemeinsamen Kinder gekümmert. Meines Wissens gibt es seit 2014 eine Mütterrente. Kann ich auch davon profitieren?

Mit dem 01. Juli 2014 wurden für diejenigen Versicherten, deren Kinder vor dem 01.01.1992 geboren sind statt bisher ein Jahr nunmehr zwei Jahre Kindererziehungszeit auf ihrem Versicherungskonto gutgeschrieben. Das betrifft immer die Versicherten, die das jeweilige Kind im ersten Jahr auch erzogen haben, aber immer nur ein Elternteil. Damit wird eine Verbesserung bei der Anrechnung von Kindererziehungszeiten erreicht und eine Gerechtigkeitslücke zumindest teilweise geschlossen. Erhalten doch Versicherte, deren Kindern nach dem 31.12.1991 geboren sind bereits drei Jahre Kinderziehungszeit auf Ihrem Versicherungskonto gutgeschrieben.

Im Rahmen eines Versorgungsausgleichs werden sämtliche in der Ehe erworbenen Anrechte geteilt, im Versorgungsausgleichsrecht spricht man vom Halbteilungsgrundsatz. Da bei Ihnen dieser Versorgungsausgleich bereits mehr als 20 Jahre zurückliegt, konnte vormals auch nur das Anrecht seiner damaligen Ehegattin berücksichtigt werden, dass nur jeweils ein Jahr Kindererziehungszeit berücksichtigte.

Im Rahmen des neuen Versorgungsausgleichsgesetzes, das durch eine Strukturreform zum 01.09.2009 weitgehend neu geregelt wurde, ist es nunmehr möglich durch eine Abänderung die vor dem genannten Termin getroffenen Entscheidungen zu korrigieren. Da durch die zusätzlichen Kindererziehungszeiten das vormalige Anrecht Ihrer Ehegattin über die Bagatellgrenze erhöht wurde – Grundlage für die Abänderung – sollten Sie einen entsprechenden Antrag beim zuständigen Familiengericht stellen und damit Ihre monatliche Erwerbsminderungsrente erhöhen. Gern ermittle ich für Sie die Differenz und führe in Ihrem Auftrag das Verfahren beim Familiengericht.

Ein Gastbeitrag von Dr. Ronald Musil, Rentenberater.

Internet: www.rentenberater-musil.de