Ich habe ein Anrecht auf eine große Witwenrente, erhalte aber nichts ausgezahlt. Ist das richtig?

Diese Frage wird mir nicht nur fast täglich gestellt sondern ist fachlich relativ schnell beantwortet, gleichwohl schwierig genau denjenigen zu erklären, die mit einer entsprechenden Rente kalkuliert haben.

Zunächst unterscheidet der Gesetzgeber u.a. zwischen großer und kleiner Witwenrente (folgendes gilt auch gleich immer für die Witwerrente!).

Die kleine Witwenrente wird dann gezahlt, wenn der Hinterbliebene das 47. Lebensjahr noch nicht vollendet hat, nicht erwerbsgemindert ist und kein Kind erzieht. Die Höhe der Rente beträgt 25% der Rente auf die der Verstorbene Anspruch gehabt hätte und ist auf 24 Monate beschränkt.

Die große Witwenrente kommt demzufolge dann zur Anwendung, wenn der Hinterbliebene das 47. Lebensjahr vollendet hat, erwerbsgemindert ist oder ein eigenes Kind bzw. eines des Verstorbenen erzieht. Die Höhe dieser Rente beträgt 55% der Rente auf die der Verstorbene Anspruch gehabt hätte.

Auf Sonderfälle will ich hier auf Grund der Komplexität nicht eingehen.

Dann kann ich meine Witwenrente ja ganz schnell selbst ausrechnen und schon einmal in meine zukünftige Finanzplanung einbeziehen. Aber so einfach ist es dann doch nicht.

  1. Ist der Verstorbene bereits Rentner gewesen, kann eine Vorschusszahlung beantragt werden, die dann in dreifacher Höhe der Rente des Verstorbenen gezahlt wird. Die Rente im Sterbemonat wird in voller Höhe gezahlt und

jetzt beginnt das mögliche Dilemma…

  1. Eigenes Einkommen wird auf die Witwenrente angerechnet. Was genau wird dann angerechnet? Dazu zählen neben Erwerbs- oder Erwerbsersatzeinkommen auch eigene Einkünfte aus Vermögen oder Betriebsrenten, private (Unfall-)Renten und das Elterngeld. Vergleichbare ausländische Einkommen werden ebenfalls berücksichtigt.

Was bedeutet das nun genau? Grundlage für die Anrechnung bildet zuallererst ein Freibetrag, der in den neuen und alten Bundesländern verschieden  ist, derzeit 714,12 € bzw. 771,14 € und damit nicht wirklich hoch. Vom verbleibenden Nettoeinkommen werden dann 40% auf die Witwenrente angerechnet.

Bei eigenem hohen Einkommen und niedriger Witwenrente kann also der oben beschriebene Fall eintreten, dass die Witwe gerade keine Auszahlung erhält.  Möglicherweise kann ja das eigene Einkommen beispielsweise durch eine verringerte Arbeitszeit (Teilzeit) so gesteuert werden, dass zumindest ein wesentlicher Teil der Witwenrente ausgezahlt wird und damit den Minderverdienst ausgleicht?! Das war zumindest bei dem Fall möglich, der den Anlass zu diesem Beitrag gab.

Dr. Ronald Musil  (Rentenberater )

Internet: www.rentenberater-musil.de

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